Samstag, 2. September 2017

Abreisevorbereitungen: Whitehorse

Die Abreisevorbereitungen sind beendet, die Verpackungsmaterialien gekauft, überflüssige Ausrüstungsgegenstände verschenkt und nun sitzen wir in Whitehorse in der Main Street in einem netten Café und genießen die Sonne. Plötzlich gibt es Tumult an der Straßenecke und einen Menschenauflauf, wir sehen Bodyguards die den in Deutschland beliebtesten kanadischen Politiker vor den vielen Menschen schützen, die ein Foto mit ihm wollen.

Donnerstag, 31. August 2017

Tag 19: Carcross - Whitehorse

Der letzte Radtag! Nach einer trockenen aber kalten Zeltnacht in Carcross kommen wir früh los. Nach gut 50 km stossen wir wieder auf den Alaska Highway und haben an der Kreuzung auf ein Mittagessen gehofft, da es hier die einzige Verpflegungsmöglichkeit gibt. Leider hat das Restaurant geschlossen und daher gibt es heute nur Schokoriegel zu Mittag. Die letzten 25 km nach Whitehorse sind schnell gefahren uns so beenden wir unsere diesjährige Radtour schon am frühen Nachmittag. Das Fazit der Tour: Kanadas Nordwesten ist sehr schön aber bitterkalt und ganz schön nass im August  2017.

Tag 19: Carcross - Whitehorse

Die letzte Etappe steht an: wir fahren den Klondike Highway nach Norden, bis wir wieder auf den Alaska Highway treffen. An der Kreuzung stellen wir fest, daß sich das Wetter auf dem Highway während unseres Umwegs nicht deutlich verbessert hat.
Wenige Kilometer südlich von Whitehorse machen wir einen Stopp am Miles Canyon: hier bahnt sich der Yukon River in einer engen Schlucht seinen Weg durch ein Hindernis aus Lavagestein. Antike Funde zeigen, daß bereits vor 8000 Jahren, also kurz nach dem Rückzug der Gletscher, an dieser Stelle Menschen gefischt haben. Angesichts der Kälte hier frage ich mich, ob die Gletscher nicht gerade zurückkommen.

Mittwoch, 30. August 2017

Tag 18: Tagish - Carcross

Von Tagish folgen wir dem Yukon Highway 8 weiter bis nach Carcross. Auch das Auf und Ab von Carcross ist mit dem Goldrausch verbunden. Ursprünglich hieß es Caribou Crossig. Der angelikanische Bischof ließ den Name aber 1904 in Carcross ändern, da er es leid war, daß seine Post ständig in einem der unzähligen anderen Orten namens Caribou Crossing strandete.
Heute lebt Carcross vom Kreuzfahrtgeschäft: die Kreuzfahrtouristen werden von Skagway mit Bus oder Bahn hierher gebracht und mit Bahn oder Bus zum Schiff nach Skagway zurücktransportiert. Daher lebt die Stadt praktisch nur um die Mittagszeit auf und unsere Fahrräder steigen in die Top 10 der beliebtesten Fotomotive auf.
Die Abgeschiedenheit des Yukons liegt hinter uns.

Tag 18: Tagish- Carcross

Der zweitletzte Radtag ist ein Ausflug zur Carcross-Wüste. Die kleinste Wüste der Welt ist nur 2.6 qkm groß und ist eigentlich "nur" eine Sanddüne, da das Klima viel zu feucht ist, als das es hier eine echte Wüste geben kann. Der Sand hat sich während der letzten Eiszeit gebildet. Als die Gletscherseen verschwanden blieb der Sand zurück.
Den Nachmittag verbringen wir in einem Café in Carcross. Obwohl der Ort nur 301 Einwohner hat, gibt es hier viele Touristen und Souvenurläden. Denn nach Carcross werden viele Alaska-Kreuzfahrttouristen von Skagway für eine Tagestour gekarrt.

Dienstag, 29. August 2017

Tag 17: Johnson's Crossing - Tagish

Da heute nur eine kurze Etappe auf dem Plan stand, könnten wir es uns erlauben, in der Sonne zu stehen und Biebern bei Ihrem Tagesgeschäft zuzuschauen. Zunächst sind die Tiere angesichts unserer Anwesenheit abgetaucht, nach einigen Minuten hatten sie sich jedoch an uns gewöhnt und konnten mit ihrer Arbeit fortfahren.
Zunächst kam ein Tier (etwas über ein Meter lang) aus dem Wasser und lief zielstrebig auf einen jungen, etwa 4 m hohen Baum mit 7 cm Durchmesser zu. Während wir noch dachten, das Tier sei erstmal beschäftigt, fiel der Baum um und wurde weggeschleppt. Im Wasser wurde der Baum nochmal halbiert und zusammen mit einem Jungtier wurden Blätter, Äste und Rinde verspiesen. Anschließend wurde der übriggeblieben Stamm zum Bau gezogen. Von Weitem sieht es so aus, als ob sich der Holzstamm vom alleine durch das Wasser bewegt. Sehr sehenswert.
Wenn ich mir das so überlege: sie gehen von zuhause fort, um eine Familie zu gründen, bauen dann zunächst eine eigene Behausung, holen Holz aus dem Wald und sind sehr fleißig. Klingt eher nach Schwabe als nach Bieber.

Tag 17: Johnson's Crossing - Tagish

Wieder ein perfekter Fahrradtag. Sonne und blauer Himmel. Nach 40 Km biegen wir vom wenig befahrenen Alaska-Highway auf die fast autofreie Tagish Road in Richtung Carcross. Leider ist der Fahrradtag heute schon nach 66 Km beendet und wir sitzen jetzt in der Lodge in Tagish auf der Veranda und genießen die Sonne mit Blick auf die Tagish - Brücke. Der Tagish See wurde im Jan. 2000 durch den Einschlag eines über 200 t schweren Meteoriten weltweit bekannt. 

Update 19.00: Die Lodge scheint die IN-Kneipe der 220 Einwohner zu sein und der Inhaber sein bester Kunde. Für mich war das Abendessen der härteste Teil des Tages. Burger mit Pommes, was kann da schon schief gehen? Aber die selbstgemachte Siracha-Mayo ist eine lokale Spezialität, die an Schärfe meine Möglichkeiten übersteigt. Ich hoffe, ich bin morgen wieder einsatzfähig. 

Montag, 28. August 2017

Tag 16: Morley Lake - Johnson's Crossing

Heute war für uns so eine Art Brückentag. Erst sind wir über die Nisutlin Bay Bridge gefahren, die vor dem Ort Teslin (480 Einwohner) den Lake Teslin an seiner engsten Stelle überspannt. Mit einer Länge von 584 m die längste Brücke auf dem Alaska-Highway.
Am Nachmittag haben wir die Teslin River Bridge überquert, die etwa 50 km weiter westlich steht und den Fluss Teslin überbrückt - aber mit der Stadt Teslin nichts zu tun hat, was die Namensgebung etwas verwirrend macht, denn: die Teslin River Bridge steht nicht in Teslin.
Dafür ist die Teslin Bridge sehr gelungen: seit 1944 steht sie hier nahezu unverändert mit einem Bogen in der Mitte und Fachwerkträgern an den Seiten. Mit 447 m die drittlängste Brücke des Alaska-Highways.

Tag 16: Morley Lake - Johnson's Crossing

Ein perfekter Fahrradtag. Sonne, leicht bedeckt, kein Gegenwind, wunderbare Landschaft und wenig Verkehr: so könnte es ewig weitergehen.
O. K., etwas zu meckern gibt es natürlich immer: der Strassenbelag ist sehr grober Asphalt und der Seitenstreifen oftmals sehr schlecht (das gilt aber für die gesamte Tour). Aber für ein ca.15 km Stück war es eine Zumutung. Wäre der Highway eine Deutsche Bundesstraße, hätte Hr. Dobrindt dafür zurücktreten müssen.
Wir sind jetzt unserem Ziel Whithorse schon sehr nah. Da wir noch einen Umweg zur "kleinsten Wüste der Welt" vor uns haben, stehen noch 3 kürzere Etappen an, in denen die Verpflegung und Internetzugang wieder gesichert sind. Die letzten 2.5 Tage waren schon sehr einsam, auf 250 km nur eine kleine, einfache Lodge mit sehr netten Leuten.
Auch heute übernachten wir in einer relativ einsamen Lodge am Johnson's Crossing. Von hier aus startet die Canol Road (oder auch Canadian American Norman Oil Road). Sie war ursprünglich ein Projekt aus dem Zweiten Weltkrieg, bei dem es darum ging, eine Versorgungs-Pipeline für die US-Armee nach Alaska zu führen, da die Amerikaner Angst hatten, dass die Japaner nach Pearl-Habor auch Alaska angreifen würden. Das Projekt ist für die USA sehr teuer geworden, nie fertig gestellt worden, und, wie man heute weiß, unnötig gewesen. Heute existiert die Pipeline nicht mehr, im Gegensatz zur 449 Kilometer langen Wegstrecke, die von der Regierung in Yukon instand gehalten wird. Am Startpunkt erinnern alte Schrottautos von dem Megaprojekt.
Das erinnert ein bißchen an unseren Berliner Flughafen, womit wir wieder bei Hrn. Dobrindt wären...

Sonntag, 27. August 2017

Tag 15: Rancheria - Morley Lake

5°C morgens beim Aufstehen. Das wird ein kalter Tag heute, aber es ist blauer Himmel zu sehen, und das gibt Hoffnung auf wenig Regen. Das Frühstück ist super, aber die Portionsgrössen sind selbst für hungrige Radfahrer zu viel. Ich bestelle zwei Spiegeleier und 3 Pfannkuchen. Ich erwarte die üblichen handtellergrossen American Pancakes. Ich bekomme 3 pfannengrosse, 2 cm dicke Pancakes mit dem Hinweis der Bedienung: "Honey, was hast du erwartet, wir bedienen hier sonst nur Trucker!" Dann geht es los, es liegen 102 km vor uns. Das Wetter bleibt wechselhaft, tiefdunkele Regenwolken und blauer Himmel wechseln sich in kurzer Zeit ab und wir hoffen, dass es nicht regnet. Leider: auf den letzten 10 km kommt dann ein mächtiger Schauer, und wir müssen auch das Zelt im Regen aufbauen.