Samstag, 7. September 2024

Tag 20: Parinacota - Putre

Die heutige Etappe verlief durch völlig unbesiedeltes Gebiet. Jetzt fällt mir am Namen des Grenzübergang etwas auf: der heißt "Chungara–Tambo Quemado". Der bolivianischen Teil des Namens ist nach der Stadt Tambo Quemado benannt, der chilenische Teil nach der Region Chungara. Da es auf chilenischer Seite weit und breit keine Siedlung gibt, hat man halt die Region zur Namensgebung herangezogen.
Das erklärt auch die Unterschiede in der Tierwelt: Bolivien: besiedelt, Lama- und Alpakas-Herden. Chile: unbesiedelte, keine von Menschen gehaltenen Tiere, nur Wildtiere, also viele Vicunjas. 

Vom Fenster unserer Untetkunft kann ich die Straße nach Arica sehen, und was ich da sehe, ist Folgendes; oben am Hang die Straße mit den LKW in Richtung Süden. Die Straße ist 120m oberhalb meines Standorts. Zwischen mir und der Straße ist ein Graben, da geht es über 50m runter. Das verheißt für morgen nichts Gutes.

Aber irgendwas ist ja immer. 

Tag 20: Parinacota - Putre

Heizung, Dusche, Handtücher, frische Bettlaken, Ablageflächen, Toilettenpapier... ich kann es kaum fassen, was unsere Unterkunft in Putre bietet und auf was wir die letzen 2 Wochen verzichtet haben. Ich bin einfach nur glücklich und zufrieden.

Nachdem wir es gestern doch nicht bis Putre geschafft haben (der Grenzübertritt hatte uns weit über 2 Stunden gekostet) und wir gestern in Parinacota gestrandet sind, hatten wir heute einen angenehmen kurzen Tag nach Putre in faszinierender Landschaft. Wir sind nun nur noch auf 3500 Hm und man sieht die Veränderungen in der Landschaft: war es auf 4500 Hm karg, felsig und wüstenartig gibt es hier schon viel mehr Grün, so dass wir nun auch die ersten Kuh- und Schafsherden entdecken konnten. Auf größeren Höhen gibt es nur Llama- und Alpaka- Herden und zwischendurch sieht man noch die wilden Vicuniaherden.

Putre ist ein relativ reiches Örtchen, da hier der Ausgangspunkt vieler Touristen für Bergbesteigungen ist. Der Unterschied zu den Dörfern, welche wir die letzten Wochen bereist haben ist gigantisch,  so auch das Angebot an Essensmöglichkeiten und damit automatisch auch die Preise. Das Preisniveau ist fast europäisch und liegt Faktor 5 (Übernachtung) bis 15 (Essen) über dem Preisniveau des bolivianischen Altiplano.

Einen Ruhetag hier in Putre einzulegen haben wir aber verworfen, da der Wind ab Montag wieder stärker werden soll. Schon heute haben wir den starken und eisigen Gegenwind gespürt  und obwohl wir 1000 Hm herunterradeln durften, mussten wir trotzdem gegen den heftigen Gegenwind ankämpfen.

Morgen möchten wir 140 km schaffen, da es zwischen hier und unserem Ziel Arica keine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Bei 3500 Hm bergab klingt es erstmal machbar, leider sind dafür auch noch 850 Hm bergauf zu bewältigen ...

P.S.: Einen fürchterlichen Nachteil des plötzlich angenehmeren Komforts will ich nicht verschweigen. Der erste Spiegel im Bad nach 2 Wochen.... erschreckend! 






Freitag, 6. September 2024

Tag 19: Tambo Quemado- Parinacota

Um zum Pazifik zu kommen müssen wir die Cordillera Occidental überqueren, die westliche Gebirgskette der Anden. Also, auf geht's, Jammern hilft nicht, der Pass liegt auf einer Höhe von 4680m und es ist davon auszugehen, dass es da oben kalt, windig und unangenehm sein wird. Nebenbei: Wer einen höher gelegenen internationalen Grenzübergang mit dem Fahrrad fahren möchte, der muss schon etwas suchen.
Wir treten langsam aber stetig in die Pedale und erreichen die auf der Passhöhe liegende Grenzstation.
Die Lage ist mal wieder unübersichtlich: in welcher Reihe wir Zoll und Einreise und Polizei abklappern müssen, erschließt sich nicht auf den ersten Blick, zumal bei den chilenischen Behörden ja im Anschluss an die Formalitäten noch das Durchleuchten des Gepäcks ansteht.
Im Vorfeld hatten wir uns Sorgen um die mitgeführt Lebensmittel gemacht. Die waren aber allesamt kein Problem. Das Ärgernis kam (wie so oft) von unerwarteter Seite: einer der Zoll-Beamten bestand darauf, unsere Fahrräder zu registrieren, deklarieren und bürokratischen. Der Grenzübergang hat uns so weit über zwei Stunden gekostet.
Gut: jetzt haben wir ein Formular, das bestätigt, dass wir die Fahrräder eingeführt haben.
Schlecht: jetzt müssen wir die Fahrräder auch wieder offiziell ausführen. Beim Zoll in Chile. Das bedeutet Aufwand. Aber das lösen wir später.
Von der Grenzstation fahren wir runter zum Lago Chungara, das Schild im Hintergrund gibt eine Höhe von 4559m an.

Die Sicht auf die Vulkane ist nicht so toll, dafür gibt es Vicunjas und Flamingos zu sehen.

Jetzt nimmt der Wind aber wieder heftig zu und bläst uns entgegen. Auch 5% Steigung bergab werden mühsam.

Putre schaffen wir heute nicht mehr, wir übernachten in dem kleinen Dorf Parinacota, wiedermal im Schlafsack. Der Genuss eines beheizten Zimmers mit eigener Dusche und morgendlichem Frühstück muss warten.

Donnerstag, 5. September 2024

Tag 18: Sajama - Tambo Quemada

Tambo Quemado: Warten auf den Grenzübergang nach Chile. Bei Google Maps findet man den Ort als "Jancoaque" und laut Google Maps sind es bis zur Grenze noch 8 km. Google Maps und Bolivien passen nicht immer gut zusammen.... 

Wir haben beschlossen noch eine Nacht in Bolivien zu bleiben. Wir sind jetzt direkt vor der Bolivianischen Mautkontrollstation auf 4350 Hm in dem letzten Dorf vor dem Grenzübergang. Hier gibt es eine Vielzahl an Hostels und kleinen Shops für die Trucker. Diese Grenze ist die wichtigste Versorgungsroute zwischen Chile und Bolivien. Vom chilenischen Arica wird quasi das Bolivianische Hochland inklusive La Paz versorgt. Laut Internet-Reiseberichten ist die Einreise nach Chile aber ein größeres Zeitproblem. Zu einem ist der chilenische Grenzposten erst in 8 km Entfernung auf 4650 Hm (das bedeutet für uns mit dem Fahrrad ca. 2 Std. fahren im Niemandsland) und dann sollen die Chilenischen Einreiseprozesse gerne mal mehr als 2 Stunden an diesem Grenzübergang dauern. Chile hat sehr strenge Einreisekontrollen und es wird wohl jedes Gepäckstück scharf kontrolliert. Auch benötigen wir ein Einreiseformular für Chile, was möglichst vorab online beantragt werden sollte. Hier wird besonders auf die Einfuhr von Lebensmitteln geachtet. Wir glauben/hoffen zwar nicht das es mit unseren Energie-/Müsliriegeln und den dehydrierten Treckingmahlzeiten ein Problem gibt. Aber wir sind lieber Vorsichtig: da wir etwas Angst haben bei Dunkelheit an der chilenischen Grenze ohne Verpflegung auf 4650 Hm zu stranden, verlegen wir den Grenzübergang auf morgen Vormittag und hoffen es dann ohne Zeltnacht bis zur ersten chilenischen Ortschaft Putre in 72 km zu schaffen.

Jetzt warten wir in unserem Zimmer auf die Abendessenszeit. Draußen warten macht keinen Sinn. Es gibt keine Möglichkeit sich z.B  mit einem Cafe oder Tee die Zeit zu vertreiben. Außerdem ist es sehr windig und staubig. Der angenehmste Ort zu warten ist unser kleines, kaltes Zimmer. Um ca. 19.00 werden wir schauen, welcher Laden was Warmes zum Abendessen Anbieter. Dann werden wir auch erst erfragen können, ob es neben frittiertem Hühnchen noch andere Möglichkeiten gibt. Gestern in Sajama hatten wir zum ersten Mal Llama gegessen. Es ist ein etwas bitterer Geschmack, war nicht so mein Fall.  Gegessen und gefrühstückt hatten wir in unserem Hostal und hatten damit viel Glück. Als wir sagten, wir würden gerne das Abendessen nehmen, wurde uns gesagt: Punkt 19.30 im Gemeinschaftsraum einfinden. Und um Punkt 19.30 kam sofort eine wirklich leckere Gemüsecremesuppe, danach das Stück Llama mit Reis und Gemüse (Karotten, Broccoli und Blumenkohl.....die Gemüseauswahl empfand ich als typisch deutsch) und als Nachtisch Banane mit Karamellsosse und Schokostreusel. Das war mit Abstand das beste Essen der letzten 14 Tage. Und dann morgens noch ein Frühstück mit Brot und Spiegeleiern. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Seit Uyuni hatten wir nur Kekse  und selbstgemachten Tee gefrühstückt.

Für morgen früh haben wir uns wieder mit Keksen eingedeckt....





Mittwoch, 4. September 2024

Tag 17: Juchus Huaylla - Sajama

Heute geht es in das Dorf Sajama, gelegen im Sajama Nationalpark am Fuße des Vulkans Sajama. Der Sajama ist mit 6542m der höchste Berg Boliviens und war 2007 Austragungsort eines Fußballspiels: einige Alpinisten und der damalige Präsident Boliviens Evo Morales spielten auf einer Höhe von 6000m Fußball. Hintergrund: die Fifa wollte Pflichtspiele an Austragungsorten oberhalb von 2500m verbieten. Neben Bolivien wären von der Regel auch Bogota in Kolumbien (2640 m) und Ecuadors Hauptstadt Quito (2800 m) betroffen. Mit dem Spiel sollte gegen die Regel protestiert werden. Offensichtlich mit Erfolg, denn die Fifa hob die maximale Höhe auf 3000m an. La Paz auf 3600m ist zwar immer noch oberhalb der Grenze, aber Bolivien hat mit Sucre und Cochabamba Spielplätze, die den Regularien genügen. Fremdschämmoment am Rande: das Spiel auf dem Sajama ging 1:0 aus, das einzige Tor schoß Präsident Morales.


Der Abstecher hat sich gelohnt: der Sajama-Nationalpark ist bekannt für seine heißen Quellen und Geysire. Nun, Geysir ist ein Großes Wort, es sind kleine blubbernde Brunnen mit heißem Wasser.


Das Wasser siedet, blubbert, kocht und es strömen verschiedene Gase aus dem Boden. Wie heiß das Wasser und der Matsch rund um die Quellen ist, weiß niemand besser als ich.



Tag 17: Juchus Huaylla - Sayama

Nach 18 km auf der gut asphaltierten Routa 4 Richtung Chile mussten wir uns entscheiden: abbiegen auf sandiger Piste in den Sayama Nationalpark oder direkt weiter zur chilenischen Grenze. Wir haben uns für eine weitere Nacht in Bolivien entschieden. Das bedeutet 11 km Sandpiste. 11 km klingt nicht viel, aber für diesen Abstecher brauchen wir über 2 Std. und morgen früh gibt es die gleiche Anstrengung wieder zurück zur Routa 4. Dafür werden wir mit einem herrlichen Blick auf den Sajama und mit einem tollen Ausflug zu den Geysiren belohnt. Falko hat sich etwas zu nah herangetraut. Glück im Unglück: er hat den Fuss samt Schuh aus dem heißen Moder ziehen können ohne sich zu verbrühen.  Wir versuchen gerade den gereinigten Schuh mit dem Gaskocher zu trocknen.  










Dienstag, 3. September 2024

Tag 16: Turco - Juchus Huaylla

Etwa 20 km nordwestlich von Turco fahren wir durch die archäologische Stätte Pumiri. Zu Zeiten der Inkas war hier eine militärische Festung, die Stadt war über eine Wegenetz mit der Inka-Hauptstadt Cusco verbunden. Quasi so wie heute, nur ohne Asphaltstraße und ohne Grenzübergang. 

In Pumiri stehen viele erhaltene Chullpas, also Grabtürme für hochrangige Inka-Anführer. Chullpas haben einen rechteckigen Grundriss und sind in Richtung Sonnenaufgang ausgerichtet. Erbaut wurden sie zwischen 1200 n.C. bis zur spanischen Eroberung der Region im 14. Jahrhundert. Auch logisch, denn als Eroberer bringt man traditionelle seine eigene Religion und somit seinen eigenen Totenkult mit und stülpt sie den Unterworfenen über. Manche Sachen ändern sich nie.





Tag 16: Turco - Juchus Huaylla

80 km ohne Gegenwind und bei gutem Wetter. Das war ein guter Tag. Wir sind heute auf den schneebedeckten  Nevado Sajama, den höchsten Berg Boliviens, zugefahren. Wunderschön. Eigentlich war geplant im Nationalpark Sajama 2 Tage zu verbringen.  Aber die Sache mit der Ernährung und der Unterkunft hier auf dem Altiplano ist stark optimierungsfähig und wir benötigen dringend einen Wechsel. Wir hoffen nun auf Chile. Zur Grenze sind es von hier nur 36 km und 700 Hm. Aber zur ersten chilenischen Unterkunft sind es noch 101 km und über 1100 Hm. 

Wir werden morgen entscheiden, ob wir direkt nach Chile weiterfahren oder noch in den Sayama Nationalpark hineinfahren.

Immerhin soll das Wetter morgen so werden wir heute. Das ist eine gute Nachricht.


Montag, 2. September 2024

Tag 15: Corque - Turco

Hagelschauer: das heutige Highlight war das Hagelschauer beim Mittagessen. Nachdem es schon Nachts immer wieder Eisregen gab, sind wir morgens bei bedecktem Himmel los und wir konnten den Morgen über die grauen Regenwolken von Süden heranziehen sehen. Was ich nicht begreife: der Wind kommt immer von Nordwest, aber die Regenwolken kamen aus Süden. Egal: wir hatten rechtzeitig unser Regenzeug parat. Erwischt hat es uns, als wir gerade am Strassenrand unsere mitgebrachten "Treck'NEat Käsenudeln" aus der Plastikverpackung gegessen hatten. Aber auch wenn der eisige Hagel unangenehm war, er war nur kurz und so konnten wir einigermaßen trocken zu unserem heutigen Zielort Turco kommen.

Die Unterkunft hier ist wiedermal absolut basic, aber wir sind froh überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Draußen hagelt es nämlich gerade wieder- kurz aber heftig. Bin gespannt wie es morgen weitergeht. Laut Wetterbericht soll es besser werden, aber laut Wetterbericht sollte es ab heute Mittag auch keinen Niederschlag mehr geben. 

Weiteres Highlight: wir haben heute Flamingos gesehen. Leider gibt es hierzu keine Handyfotos, da das Gefieder zu weit weg war. Trozdem super.




Sonntag, 1. September 2024

Tag 14: Huachacalla - Corque

Eigentlich wollten wir heute 70km bis nach Ancaravi fahren und dort übernachten. Da der Wetterbericht unschöne Sachen wie Schnee und Regen vorhersagt, haben wir aber keine Lust zum Zelten und hoffen in Ancavari auf ein Zimmer.

Beim Aufbruch in Huachacalla war das Wetter top. Blauer Himmel und etwas Wind.


Unterwegs gab es nicht viel zu sehen außer Lamas. Die gucken so freundlich und interessiert, dass ich ihnen gerne Hallo sagen und zuwinken möchte.


Beängstigend ist der Blick zurück, denn wir werden von einer Schlechtwetter-Front verfolgt. 


In Ancavari mussten wir dann feststellen, dass es keine Möglichkeit zur Übernachtung gibt, also sind wir 12km weiter nach Corque gefahren. 12km, die wir morgen wieder zurück müssen. Aber dafür haben wir ein festes Dach über dem Kopf. Naja, mehr als ein Dach über dem Kopf gibt die Unterkunft nicht her, es gibt zwar eine Gemeinschafts-Dusche, aber heute werden wir wohl verzichten.