Sonntag, 11. September 2022

Tag 20: San Carlos - Cafayate

Cafayate ist mit ca. 14.000 Einwohnern zwar nur die 6st grõsste Stadt in der Provinz Salta, aber nach der Haupstadt Salta der wichtigste touristische Ort der Provinz. Schon bei der Einfahrt merkt man, dieser Ort ist reich. Viele neue Gebäude, alles gut in Schuss, viele Hotels und Bodegas mit Weinverkostung und im Zentrum reiht sich ein Cafe an das  nächste Restaurant. Ein krasser Kontrast zu den letzten 2 Wochen. Das gilt allerdings auch für die Lautstärke und den Verkehr,  sowie die Restaurantpreise. Was sich nicht geändert hat: Essen wird auch hier gerne lauwarm serviert, bzw. mindestens eines unserer Gerichte kommt ziemlich kalt an den Tisch. Das Konzept Gerichte für einen Tisch zur gleichen Zeit fertig zu stellen scheint hier offenbar ersetzt durch sequentielle Anarbeitung. Egal, kalte Spiegeleier und lauwarmer Kartoffelbrei schmecken auch. Das ist meckern auf hohem Niveau, wir lassen uns unseren heutigen Ruhetag trotzdem gut gehen.
In der ursprünglichen Planung wollten wir Cafayate nördlich umfahren. Aber da wir unseren Puffertag bislang nicht gebraucht haben und uns für die kommenden 200 km und ca.1300 hm (hoch und wieder runter) bis Salta Flughafen noch 4 Fahrradtage zur Verfügung stehen, haben wir uns kurzfristig für den ungeplanten Stop nach nur 22 km in Cafayate entschieden. 
Heutige Anekdote: wir sind überfordert mit der heutigen Restaurantauswahl. Soviele Möglichkeiten hatten wir in den kompletten letzten 3 Wochen nicht.

Tag 19: Angastaco - San Carlos

Ja, der letzte unasphaltierte Abschnitt auf der Ruta 40 liegt hinter uns. Auch wenn es nicht immer leicht war: die Strecke vom Abra del Acay hier runter über La Poma, Cachi und Molinos war traumhaft schön, Lamas, Alpakas, Kakteen, Wasserdurchfahrten und interessante Gesteinsformationen. Toll.

Gestern abend habe ich die beste Pizza aller Zeiten gegessen. Zumindest in der Kategorie "belegt mit Pommes, Rührei und Oliven". Naja, es wird vermutlich Jahrzehnte dauern, bis Platz 2 der Bestenliste belegt ist.


Samstag, 10. September 2022

Tag 19: Angastaco - San Carlos

Asphaltstrasse! Endlich! 5 km vor unserem heutigen Zielort San Carlos endet die unbefestigte Strasse. Auf den heutigen 50 km haben wir wieder eine ganze Weile unsere Fahrräder schieben müssen. Heute morgen wurden wir durch die spektakulären "Quebrada de las Flechas" belohnt. Die Flechas sind eine Schlucht mit spitzen Steinformationen, die vor ca. 20 Millionen Jahren am Rande der Puna entstanden sind.
Wir sind jetzt in einem sehr touristischen Abschnitt der Routa 40. Es sind deutlich mehr Touristen unterwegs als nördlich von Cachi, aber derzeit ist Nebensaison und die Absolutzahl der Touristen hält sich trotzdem in Grenzen. 

Freitag, 9. September 2022

Tag 18: Molinos - Angastaco

Auch heute mussten wir die Fahrräder im Schritttempo durch den tiefen Sand bewegen. Das macht nur bedingt Spaß, aber mehr als 5 km/h geht einfach nicht.

Am Nachmittag sind wir in Angastaco angekommen. Ein kleines Dorf mitten im Sand mit viel Wind. Wir besuchen das einzige verfügbare Comedor und müssen feststellen, dass der Rotwein hier im Kühlschrank gelagert wird. Eine gute Entscheidung, da er so seinen unangenehmen Geschmack im Glas nicht richtig entfalten kann. 

Auch heute waren viele Greifvögel zu sehen, einen konnte ich fotografieren. Ich glaube, der hat das bemerkt, anders kann ich mir seinen grimmigen Blick nicht erklären. Kann aber auch sein, dass die immer so gucken.



Morgen wird nochmal schwierig, da wir uns weiterhin durch diese Sandlandschaft quälen müssen. Die Operaton "Sandbox" wird aber bald ihr Ende finden. Hoffe ich.

Tag 18: Molinos - Angastaco

Ehrlicherweise darf ich den heutigen Tag nicht Fahrradtag sondern muss ihn Fahrradschiebetag nennen. Nicht nur die Strasse, die ganze Gegend schien heute ein riesiger Sandkasten zu sein. Sehr deprimierende 40 km heute, für die wir aufgrund des vielen Schiebens den ganzen Tag gebraucht haben. Was aber im Nachhinein auch einen gewissen "Vorteil" darstellt, denn auch unser heutiger Übernachtunsort Angastaco ist ein totes, deprimierendes Städtchen. Hier will man nicht mehr Zeit als nötig verbringen. Zum Abendessen gibt es nur eine einzige Bar mit kleiner Essensauswahl und für das morgige Frühstück gibt es gar keine Option. Wir haben uns heute Brot und Kekse gekauft. Wir hoffen, dass es morgen besser wird. Leider stehen morgen weitere 50 km auf der schlechten Routa 40 an.
Jetzt noch eine nette Anekdote von heute morgen: Bei unserem Start wurden wir von einem lokalen, sehr anhänglichen Schäferhund begleitet. Der Schäferhund ist uns schon gestern Abend aufgefallen, als er uns zum Hotel begleitete. Nach ca. 2 km überholt uns ein Wagen. Eine junge Frau springt aus dem Wagen und versucht den Schäferhund Lolo in ihren Wagen zu locken. Lolo wollte bei uns Fahrradfahrern bleiben.  Die junge Frau erzählt uns, dass Lolo eigentlich nach Cachi gehört (40 km nördlich von Molinos) und sie ihn auch wieder hinbringen will. Lolo schließt sich aber immer wieder Radfahrern an. Die scheinen ihn zu faszinieren. Und es fahren oft geführte Radtouren (mit Autobegleitung) von Cachi Richtung Molinos. Als Falko und ich gestern vormittag in Cachi kurz Station gemacht haben, ist eine Radtruppe von ca. 25 Touristen gestartet. Wir glauben, dass Lolo sich denen angeschlossen hatte. Auf jeden Fall wollte Lolo heute morgen weiter mit uns nach Angastaco. Gut das die junge Frau das bemerkt hat. Mit Hilfe von Falko wurde Lolo dann in ihr Auto gelockt. Ende gut, alles gut!

Donnerstag, 8. September 2022

Tag 17: Payogaste - Molinos

Das Frühstück war nichr so traurig wie erwartet, aber im Vergleich zu Deutschland scheint das Frühstück in Argentinien eher eine untergeordnete Rolle zu haben. Dafür war der Frühstückssaal eine Wucht, der Frühstücksraum in der 100 Jahre alten Finca war sehr schön eingerichtet und mit wunderbarem Ausblick auf die Ausläufer der Anden. Die heutigen 60 km starten einfach. Es stehen 10 km Asphalt bis Cachi an. Cachi zählt neben der Provinzhauptstadt Salta und dem bekannten Weinort Cafayate zu den drei Hauptattraktionen der Provinz. Man merkt sofort, dass nach Cachi viele Touristen kommen. Asphaltierte Straßen, viele Cafés, Restaurants und Souvenirläden und hohe Polizeipräsenz. Wir halten uns aber nicht lange auf,  denn es liegen noch 50 km unbefestigte Strasse vor uns. Die Routa 40 geht durch wunderschöne Landschaft weiter Richtung Süden. Aber mit der spektakulären Alti Plano der letzten Tage kann der heutige Tag nicht mithalten. Die Temperaturen sind jetzt sommerlich angenehm bis 30°C und abends fallen die Temperaturen auf ca. 10°C. Die Thermokleidung kann ich ab jetzt getrost ganz unten in die Taschen packen. Dafür bräuchte ich jetzt Wind- bzw. Staubschutz. Der Wind steigert sich am Nachmittag auf Sturmstärke und Böen fegen den trockenen Sand auf, so dass man vor lauter Sand den Himmel nicht mehr sehen kann. Der Sand klebt auf der Sonnencreme, alles ist voller Sand. Unser heutiger Gastgeber holt erst mal eine Handbürste raus, damit wir das Gepäck vom Staub befreien können, bevor wir es in das Zimmer tragen dürfen. Mit der heutigen Unterkunft haben wir viel Glück, auch das Abendessen ist lecker und wir haben einen schönen Abend mit einem netten niederländischen Paar verbracht, die derzeit in ihrem Sabatical Argentinien und Bolivien bereisen und auch sonst schon viele interessante Reisen durchgeführt haben. Es war ein sehr toller Abend.

Tag 17: Payogaste - Molinos

Manchmal ist es nur ein kleiner Schritt von einem Problem zu einem größeren Problem: heute morgen beim Zähneputzen habe ich in der Dusche eine große Spinne gesehen: Problem! Etwa 15 Minuten später saß ich neben der Dusche auf dem Klo und die Spinne war nicht mehr in der Dusche. Größeres Problem! Die Spinne wird sich denken, dass man es mir aber auch nie recht machen kann.

Der Tag fing gut an und hatte - wie jeder Tag im Leben - das Potential, sich im weiteren Verlauf in Richtung Katastrophe zu entwickeln. Aber der Reihe nach: wir sind früh gestartet und waren nach 10km in Cachi. 

Die Landschaft ist nicht mehr so spektakulär wie oben auf dem Altiplano, ist aber durchaus sehenswert. 

Südlich von Cachi haben wir noch ein Gruppenfoto mit Kaktus gemacht.

Die ruta 40 wird zwischen Churcal (oder dem Dorf auf der anderen Flussseite gegenüber von Churcal) asphaltiert und wir müssen eine Umleitung fahren. Die ruta 40 war schon in einem schlechten Zustand, aber die Umleitung? Puh. Unheimlich lange Abschnitte mit Sand. Foto von der Baustelle von Süden /Molinos.

Und wenn Du denkst, schlimmer kann es nicht werden, dan kommt Gegenwind dazu. Wenn dann der Wind mal so richtig Gas gibt, dann wird es unschön.

Ziemlich kaputt haben wir Molinos erreicht. Seit einiger Zeit kreisen recht große Vögel über uns. So Vögel, die ewig kreisen und dabei ständig konzentriert nach unten gucken. Ich hoffe mal, dass die sich nicht von Radfahrern ernähren.



Mittwoch, 7. September 2022

Tag 16: La Poma - Payagaste

Ab La Poma folgen wir dem Valles Calchaquíes in Richtung Süden. Kurz nach dem Ortsausgang von La Poma queren wir auf einer Brücke den Fluss Rio Calchaqui. Das ist neu. Eine Brücke. Trockenen Fußes einen Wasserlauf überqueren. Ja, wir haben das Altiplano verlassen, die Höhen der Cordillera liegen hinter uns. 

Der Vormittag bietet weiterhin spektakuläre Landschaften, wir kommen nur langsam vorwärts, da wir ständig anhalten und Fotos machen.


Unterwegs kommen wir an den Graneros Incaicos de La Poma vorbei, einer uralten Lagerstätte der Inkas, die hier Getreide für den Weitertransport nach Norden eingelagert haben. Der Versand ging damals bis nach Peru. 

Am Nachmittag kommen auch nur langsam vorwärts, da die Straße grottenschlecht ist. Welcher Fahrradfahrer jubelt schon über feinen Kies und Splitt? Oder extremer Wellblechpiste? 

Egal, es muss ja weitergehen. Also quälen wir uns bis Paragosta und übernachten mal wieder mit Heizung, warmen Wasser und eigener Toilette. 


Tag 16: La Poma - Payogaste

50 km Länge, 200 hm bergauf, 600 hm berab und zeitweise Rückenwind. Das klingt nach einem entspannten Fahrradtag - wenn nicht diese verdammte Wellblechpiste wäre. Wir sind total kaputt und und alles tut weh. Das starke Bremsen beim Beragab geht total auf Arme und Rücken. Dafür war die Landschaft in der ersten Hälfte wieder atemberaubend. Wir haben alle 500 Meter einen Fotostop eingelegt.
Übernachtung und Abendessen gibt es heute in einer schönen alten Finca von 1918. Damit hoffen wir auch Essenstechnisch auf eine Verbesserung. Unsere Energiezufuhr der letzten 2 Wochen ist doch sehr einseitig gewesen: morgens entweder getostetes Weissbrot (wenn man Glück hat mit Dulce de Leche, einem hiesigen Nutellaersatz) oder Kekse. Eine grosse Frühstückskultur gibt es hier nicht. Kaffe oder Tee und ein trockenes Stück Brot scheint hier üblich zu sein. Mittags Kekse und Schokolade im Stehen, da wir seltens eine Mittagsessensoption haben.  Abends ein Stück Rind oder Llama mit Reis, Kartoffeln, Brot oder Kartoffelbrei und als Vorspeise Empanadas. Das sind gefüllte Teigtaschen, wirklich lecker. Auch der Kartoffelbrei ist wirklich gut. Aber es fehlt ein bißchen an Abwechselung. Falko hatte noch 2x einen brauchbaren Llama-Eintopf. Habe ich probiert, aber das ist nicht so meins. Sehr Fleisch- bzw. Knochenlastig.
Nachtrag nach dem Abendessen in der Finca: Es gab leider keine essenstechnische Verbesserung  Und an das Frühstück habe ich auch keine Erwartungen mehr ........
Morgen starten wir den nächsten Versuch in Molinos.

Dienstag, 6. September 2022

Tag 15: San Antonio de los Cobres - La Poma

Wir sind jetzt in La Poma auf 3000 hm. Ab jetzt wird es (hoffentlich) keine Minusgrade mehr geben. Heute morgen um 9.45 hat uns Héctor für den Transfer zum Abra del Acay abgeholt und die Strassenverhältnisse waren genau so schlecht wie erwartet. Mit den Fahrrädern auf den 4995 m Abra del Acay zu fahren wäre eine echte Qual geworden. Aber so konnten wir die herrliche Landschaft ohne Anstrengung genießen. Auf der Abfahrt nach La Poma haben wir unendlich viele Fotostops gemacht, denn hinter jeder Kurve hat sich ein weiterer gigantischer Ausblick aufgetan. Die Fotos werden der Realität nicht gerecht. In Wirklichkeit ist es noch vieeel schöner. Allerdings gab es 5 Momente während der Fahrradtour, wo ich mich in Deutschland geweigert hätte weiterzufahren: Wasserfurten! Und zwar keine kleinen seichten, sondern relativ tiefe und breite Furten mit Strömung, wo die Pedalen vom Wasser überspült werden. Das bedeutet, wenn alles perfekt läuft, hat man "nur" nasse Schuhe. Ich habe mich in meiner Fantasie aber schon komplett ins Wasser fallen sehen....
Aber es ist Gott sei Dank alles gut gegangen und wir sind mit nassen Schuhen davongekommen. Eine Erfahrung, die ich nicht nochmal benötige, aber jetzt beim Abendessen fühlt man sich total glücklich und zufrieden. Die Kälte ist aber immer noch präsent. Sobald die Sonne untergegangen ist, fallen die Temperaturen dramatisch. Auch heute sitzen wir in einem kalten Restaurant und auch unser Zimmer ist wieder ohne Heizung und sehr, sehr kalt. (Im Zimmer hat man hat die Fenster mit Kreppband abgedichtet.) Laut Wetterbericht soll es hier gerade 10°C sein. Aber das halten wir für ausgeschlossen, es fühlt sich eher nach Gefrierpunkt an.  Da wird uns auch das Aufstehen morgen früh schwer fallen. Mittags werden es aber über 20°C, ideal zum Fahrradfahren.