Mittwoch, 21. August 2024

Tag 03: Volcán - Humahuarca

Schon früh gab es erste Anzeichen, was heute das Problem ist, nur verstanden haben wir sie nicht. Es fing damit an, dass das Café, in dem wir gestern völlig durchfrohren gesessen haben, heute geschlossen ist. Was wir nicht wissen: das Café hat zu, weil heute kein Touristen-Zug fährt. Was mir nicht wissen: der Zug fährt nicht  weil es in der Region keinen Strom gibt. Und Strom gibt es nicht, weil aufgrund eines Sturms eine Überlandleitung kaputt ist.

Wir frühstücken also ein paar Kekse und brechen auf. Die Kälte von gestern vor Augen freuen wir uns, dass die Sonne den Nebel beseitigt.

Das war dann auch der Fall und wenig später zeigte sich die Landschaft von ihrer besten Seite: farbig, warm spektakulär.


Nur war es nicht die Sonne, die den Nebel vertrieben hat, es war der Nordwind. Heftig. Der Wind ist so kräftig, dass wir kaum voran kommen. Wenn sich in einer Windverwirbelung die Richtung schlagartig ändert, dann findet man sich  mit seinem Fahhrad plötzlich 1m weiter links wieder. Nicht schön zu fahren und außerdem gefährlich.

Irgendwann wird und klar: so geht es nicht weiter. Nördlich vom Abzweig nach Purmamarca haben wir beschlossen, die Etappe abzubrechen und zu trampen. Ein Bus hält an und nimmt uns mit nach Humahuaca. 

Im ganzen Ort gibt es weder Strom noch WLAN noch Mobilfunk. Aufgrund des Sturms ist ein Mast umgefallen. Am frühen Abend scheint die Stromversorgung wieder zu funktionieren, Internet bleibt unterbrochen. 



Dienstag, 20. August 2024

Tag 02: El Carmen - Volcán

Tag 2 fängt mit Nieselregen an. Im argentinischen Morgenmagazin wird vor der kommenden Kältewelle mit viel Regen gewarnt (in unserem Frühstückscafe läuft wie überall hier dauernd laut ein Fernseher). Obwohl sich alle Einheimischen über Regen freuen, scheint sich jetzt zu viel Regen anzukündigen. Eine Reporterin steht am Rio de la Plata und verweist auf den schon sehr hohen Pegelstand. Wir googeln wo dieser Rio de la Plata liegt und sind erstmal beruhigt, dass so der Mündungstrichter der großen Flüsse Parana und Uruguay bei Buenos Aires genannt wird. Das ist 1800 km entfernt. Wetterentspannung ist trotzdem nicht angesagt: die Sonne schafft es heute nicht durch den Nebel und auch ständiger Nieselregen ist nicht ideal beim Fahrradfahren. Da wir die heutige Etappe vor 2 Jahren schon einmal gefahren sind, wissen wir wie schön die Landschaft auf den letzten 30 km bis zu unserem Zielort Volcan bei gutem Wetter sein kann. Heute quälen wir uns auf diesen 30 km gut 1000 Hm bei Regen und Nebel und bei kalten 7°C nach Volcan. Total durchgefroren können wir uns dort in einem neu eröffneten Cafe bei einer guten Tasse Tee aufwärmen. Das ist auch bitter nötig, denn unsere Unterkunft erweist sich als kalte, zugige Bude. Mit einem Heizstrahler versuchen wir unser Schlafzimmer auf Überlebenstemperatur zu bekommen. 
Jetzt suchen wir noch eine Abendessenmöglichkeit. Aber vor 20.30 wird es auch hier nichts geben. Und wir werden alle Wintersachen überziehen: wir erwarten nicht ein angenehm beheiztes Restaurant zu finden.

Tag 02: El Carmen - Volcán

Heute war durchwachsen. Jeder kennt die Situation beim Kartenspiel, wenn man mit schlechten Karten beginnt und die Karten im Verlauf immer schlechter werden. So war es heute, nur ohne Karten.
Schon beim Start in El Carmen war es kalt. Erst dachte ich noch, dass es mit der Zeit besser wird. Das Gegenteil war der Fall. Wir fahren auf der RN9 Richtung Norden nach San Salvador der Jujuy. Je näher wir der Stadt kommen, umso mehr Verkehr ist unterwegs.

Irgendwann haben wir beschlossen, die Haupstrasse zu verlassen und auf Nebenstraßen weiter zu fahren. Ich nenne die Straßen "Nebenstraßen ", weil sie neben der Hauptstraße verlaufen. Das queren der RN9 geht am besten über eine der vielen Brücken.

Kaum liegt S.S. de Jujuy hinter uns, nimmt der Verkehr spürbar ab. Vor zwei Jahren sind wir auch hier über Nebenstraßen parallel zur RN9 gefahren, diesmal nicht. Auf der RN9 geht es schneller. Unterwegs teilt uns ein Einheimischer freudig mit, dass dies der erste Regen seit drei Monaten sei. Ich versuche, mich mit ihm zu freuen.

Bei dem Ort Lozano steht seit 2020 eine moderne Tankstelle, die mit Verkaufsraum, Kaffebar und Sitzecke so gar nicht in die Gegend passt. 2022 saßen wir draußen auf einem der roten Sessel in der Sonne und haben eiskalte Cola getrunken. Heute sitzen wir drinnen und wärmen uns an der Kaffeetasse. Die Frau vom Nachbartisch fragt wo wir heute noch hinfahren. Als sie erfährt, dass wir nach Volcan fahren, ruft sie ihre dort lebende Mutter an und fragt, wie das Wetter dort sei. Antwort: kalt und neblig, hoffentlich regnet es noch. 

Auf der RN9 treffen wir Cha Junho als Südkorea. Er ist in Bogota gestartet und über Atacama und Purmamarca auf dem Weg nach Süden. Sehr angenehme Person.

Heute morgen sind wir in El Carmen auf einer Höhe von 1140m gestartet, Volcan liegt auf 2085m. Kurz vor Volcan müssen wir in Serpentinen einen namenlosen Pass überqueren, der auf 2185m liegt. Vor 2 Jahren war unser Hauptgegner die Hitze. Diesmal kämpfen wir gegen die Kälte. Mit 10°C ist es nicht dramatisch kalt, aber der eisige Wind macht uns das Leben schwer. Wir versuchen uns im Nebel nicht aus den Augen zu verlieren, was gar nicht so einfach ist..

Am frühen Nachmittag haben wir die Passhöhe erreicht. Bevor wir die restlichen 5km nach Volcan bergab radeln, brauche ich ein paar Minuten zum durchatmen. Alter, bin ich fertig!

In Volcan haben wir uns eine der besten bzw. einzigen vorhandenen Unterkünfte gesichert, ein über airbnb gebuchtes Zimmer. Da keine anderen Gäste im Haus sind, haben wir das Bad ganz für uns alleine. Und warm wird es es so langsam auch.

Montag, 19. August 2024

Tag 01: Salta - El Carmen

Heute war ein "am Ende wird alls gut"-Tag. Was uns heute alles erwarten würde, war uns beim Start noch nicht bewusst. Wir waren sowohl auf eine sehr stressige Stadtdurchfahrt Salta eingestellt als auch bis zum Zielort El Carmen keine Verpflegungsstation zu erwarten. Aber als Falko bei km 68 nach einer 300 Hm Bergabstrecke eine längere technische Pause erbeten hatte (Katastrophe 1 -  s. Blog von Falko) war uns nicht klar, was uns im Zielort El Carmen noch erwarten würde.  Nach Problemlösung Katastrophe 1 trat dann auch Katastrophe 2 auf:  vergeblich haben wir unsere bei Booking.com reservierte Unterkunft gesucht. An der bei  Booking.com genannten Adresse meldete sich niemand,  und es sah dort auch stark nach Baustelle aus. Erst dachten wir: warten, es kommt bestimmt jemand. Immerhin haben wir eine bestätigte Reservierung. Aber warten ist nicht unsere Stärke und da die Argentinier als offen und hilfsbereit bekannt sind,  haben wir mal bei den Nachbarn nachgefragt. Das Nachbarehepaar Matthias und Carina (keine traditionellen argentinischen Vornamen, aber doch waschechte Argentinier), waren wirklich sehr hilfsbereit und haben unseren Vermieter angerufen. Die Antwort des Vermieters: es könnte gar keine Reservierung geben, da man renovieren würde. Zuerst dachten wir noch, dass kann nur ein Sprachproblem aufgrund meiner schlechten Spanischkenntisse sein. Aber nein: wir standen nun da um 18.00 in einem 15.000 Seelenkaff mit einer bestätigten Booking.com Reservierung, aber ohne Übernachtungsmöglichkeit. Kurzfristig dachten wir, dass heute schon unsere erste Zeltnacht werden würde.

Aber wieder nein: wir haben noch kurzfristig eine Ersatzübernachtung bekommen, zwar an der sehr lauten Hauptstrasse, aber wir sind trotzdem zufrieden, nicht zelten zu müssen.

Hungrig machen wir uns dann 19.30 auf die Restaurantsuche. Es gibt nicht viel Auswahl. In der ersten Option sagte man uns um 19.45, man öffne erst um 20.00. Als wir 20.00 wiederkommen, ssage man uns, Essen gibt es erst ab 21.00. Zweite Wahl: wir fragen um 20.05 , ob wir etwas zu essen bekommen können. Die Antwort: Essen erst ab 20.00 .  Nach einem schnellen Blick auf die Uhr verbesserte sich die Bedienung: heute erst frühestens 20.30 . Dritte Wahl: nur Pizza. Wir gehen weiter. Vierte Wahl: nur Pizza und Sandwich. Es ist 20.20: Wir bleiben und nehmen Pizza....Jetzt ist viel Alkohol wichtig

Im Innenhof können wir einem Handballtraining zusehen und zuhöhren. Das Handballtor steht direkt an der Wand vor unserem Tisch, und das Restaurantfenster wird durch ein Metallgitter vor den Wurfbällen geschützt. Es wird kein ruhiges Abendessen. Aber es ist viel ruhiger als unser Schlafzimmer. Während ich den Blogbeitrag schreibe donnern die getunten Mopeds durch die Haupstrasse zur Freunde der kreischenden Teeniemädchen....Es ist 22.30 an Schlaf ist noch lange nicht zu denken.....


Tag 01: Salta -El Carmen

Gegen 09:00  verabschieden wir uns von unserem Gastgeber Gustavo und brechen auf. Nachdem wir nun schon zum dritten Mal in der Posada del Santo zu Gast waren, fiel uns der Abschied schwer: Gustavo hat uns im Vorfeld Gas-Kartuschen für unseren Gas-Kocher besorgt und auch alle anderen Sonderwünsche gerne erfüllt.
Unsere erste Etappe geht von Salta über die RN9 in Richtung Norden nach El Carmen. Das ist exakt die gleiche Strecke, wie vor zwei Jahren. Der Stadtverkehr in Salta ist nervenaufreibend, insbesondere dann, wenn unterschiedliche Kulturen bezüglich des Fahrverhaltens in einem Kreisverkehr aufeinanderstoßen.
Nördlich von Salta nimmt der Verkehr deutlich ab, und wir können uns wieder auf die Landschaft konzentrieren. 



Wie beim letzten Mal legen wir in La Caldera eine Mittagspause ein. Dies allerdings ohne Essensoption, wir essen unsere mitgebrachten Brötchen und Kekse.

Bei der Abfahrt auf der Nordseite des Passes auf etwa 1600m fallen mir 2 Dinge auf, die diesmal anders sind. Zum Einen: die Landschaft ist deutlich trockener, auch Greifvögel sind weniger zu sehen. Trotzdem ist die RN9 aufgrund der Hanglage sehr spektakulär. 
Die zweite Sache, die heute anders ist: meine Vorderbremse (Magura) baut keinen Bremsdruck auf und ist wirkungslos. Einige hundert Höhenmeter bergab ohne Vorderbremse mit vollem (Über-)Gepäck plus meinem (Über-)Gewicht sind nicht so schön. Um die Übersicht zu bewahren, nennen wir die defekte Vorderbremse Katastrophe 1. Offensichtlich ist der Behälter mit Bremsflüssigkeit im Bremshebel defekt, im Hebel tritt Flüssigkeit aus.
In El Carmen gibt es eine Fahrrad Werkstatt, hydraulische Bremsen werden hier nicht unterstützt, die von Magura doppelt nicht. Am Ende konnte ich dem Mechaniker Cesare erklären, dass ich meine Bremse nicht repariert haben möchte, sondern eine komplett neue Bremse mit Seilzug montiert haben möchte. Spätestens nachdem ich die hydraulische Magura Bremse vor seinen Augen abgebaut habe, hat er verstanden, worauf ich aus bin. Gesagt, getan. Ab jetzt fahre ich mit einer konventionellen Bremse von Cstar. Mein Dank gilt Cesare aus El Carmen für seinen Einsatz, aber auch den Leuten, die mich an ihn verwiesen haben.
Nach dem Abendessen beteilige ich mich mit bescheidenem Erfolg am Handball Torwart-Training. Freiwurf, nach oben links geguckt und unten mittig geworfen. Hat natürlich nicht geklappt, der Keeper hat locker mit dem Fuß abgewehrt, obwohl mein Wurf natürlich super war.

Sonntag, 18. August 2024

Tag 00: Salta

Die anstrengendste Tagesaufgabe heute war das Abendessen. Nachdem wir die Fahrräder für den morgigen Einsatz gerichtet  und die letzten Einkäufe getätigt haben (hier sind auch Sonntags fast alle Supermärkte geöffnet), haben wir uns von einem Uber-Taxi ins Centrum von Salta bringen lassen. Dort haben wir ein Restaurant gesucht welches um 18.00 geöffnet hat.  Das war gar nicht so einfach. Die meisten Restaurant schliessen die Mittagessenphase um 16.00 ab um gegen 20.00 wieder für die Abendessensgäste zu öffnen. Für Deutsche, die um 18.00 zu Abend essen wollen ist hier kein Markt. Am Ende sind wir in genau dem Restaurant gelandet, in dem wir vor exakt 2 Jahren aus dem gleichen Grund gelandet sind. Die Portionsgrösse würden jeden Schwaben erfreuen: von einer Portion kann man 2 Leute satt bekommen. Falko glaubt, er hätte seine Portion geschafft, wenn ich nicht den leckeren Provolone (gegrillter lokaler Käse) und die Empanadas als Vorspeise bestellt hätte. 

Für unseren ersten Fahrradtag morgen sind wir auf jeden Fall gut gerüstet. 



Samstag, 17. August 2024

Anreisetag 2/2

In Frankfurt lief es ganz gut: am Sperrgutschalter hat es etwas länger gedauert, weil an allen Schalter dort Hunde eingecheckt haben oder eingecheckt wurden. Der Flug selbst war super, ich genieße ja Flüge in der Boeing 747: geplant in den 60ern, ausgeliefert in der 70ern, seinerzeit führend in Sachen Zeitfestigkeit, Schwingfestigkeit und Verständnis metallischer Werkstoffe. Alles was da heute nachkommt ist aus Kunststoff, ist geklebt und taugt nix. 
Der Flug war angenehm, was primär dem Personal an Bord zu verdanken ist, das als Gastgeber aufzutreten versteht. Danke dafür!
        Danke für die extra- Kalorien!

Der Weiterflug mir Aerolíneas Argentinas nach Salta war prima dazu geeignet, den Flug mit Lufthansa zu vermissen: das Bodenpersonal war noch recht engagiert und hat uns kurz vor dem Bording mitgeteilt, dass beide Fahrräder und alle drei Gepäckstücke eingeladen wurden. Überhaupt nicht beruhigend, wenn man bedenkt, dass wir mit vier Gepäckstücken in Frankfurt gestartet sind. Auf meine Nachfrage, ob es wegen des fehlenden Gepäckstückes ein Problem gibt, wurde mir dreimal gesagt, dass es kein Problem gäbe. Ab zweimal werde ich nervös.
Während des Flugs mit Aerolíneas Argentinas wurde mir klar: hier wird man nicht befördert, hier wird man transportiert. Man ist selbstladende Fracht. Aber jeder Flug, bei dem man aus eigener Kraft das intakte Fluggerät durch eine Tür verlassen kann, ist ein guter Flug.
Im Salta kamen beide Fahrräder und alle vier Gepäckstücke an, ein Fahrradkarton war jedoch auffallend zerrupft. Die Einreiseformalitäten in Argentinien sehen vor, dass alles Gepäck durch einen Scanner geschoben wird, ähnlich der Sicherheitskontrolle am Flughafen, nur sucht man hier nicht nach Sprengstoff sondern nach Drogen und frischen Lebensmitteln, die nicht eingeführt werden dürfen. Nein, bei Fahrrädern macht man da keine Ausnahme. Und die Aufforderung, meine Satteltasche komplett auszupacken, hat den Vorgang auch nicht gerade beschleunigt.
Wie schon vor 2 Jahren, hat uns Gustavo, der Inhaber unserer Unterkunft, abgeholt. An der Unterkunft angekommen haben wir erstmal die Fahrräder zusammengebaut. Bevor wir müde ins Bett fallen, machen wir uns schnell noch mit den örtlichen Biersorten vertraut. Dann war es das für heute.

Freitag, 16. August 2024

Anreisetag 1/2

Heute geht es los! Die Fahrräder sind zerlegt und in Kartons verpackt, die restliche Ausrüstung für den Transport in 4 Gepäckstücke verpackt.Dann habe ich mein Handy noch in ein Hardcover (13€ bei Amazon) verpackt, damit es nicht gleich kaputt ist, wenn es mal hinfällt.
Mit dem Transporter zum Flughafen, die Aufgabe am Schalter für Sperrgepäck lief problemlos. 
Beim Betanken des Mietwagens habe ich festgestellt, dass der Fingerabdrucksensor dank des Covers nicht mehr funktioniert. Beim Versuch, mit dem Handy zu zahlen, wurde der Fingerabdruck mehrfach abgelehnt. Am Ende wurde die Kassiererin etwas nervös und ich haben mit dem Handy Marion angerufen, sie möge aus dem Auto aussteigen und mir helfen. Bezahlen mit dem Handy geht eigentlich anders.
Am Flughafen habe ich dann ein Thunfisch Wrap gegessen. Das erste Trikot ist schon dreckig. Läuft.


Donnerstag, 15. August 2024

Tourstart 2024

Der letzte Tag vor der Abreise ist immer der stressigste.....

Sonntag, 21. Juli 2024

Tourstart 2024



Der Starttermin unserer diesjährigen Tour ist für Mitte August geplant.