Dienstag, 6. September 2022

Tag 15: San Antonio de los Cobres - La Poma

Nach drei Nächten in dem gleichen Hotel heißt es heute "Sachen packen!" und auf die Weiterfahrt vorbereiten. Man mag es nicht glauben, aber: wir reisen nur mit dem Nötigsten.

Wir werden von unserem Fahrer Hector abgeholt und fahren auf den Abra del Acay. Die Straße ist teilweise extrem ausgesetzt am Hang, man braucht starkes Vertrauen in Auto, Fahrer und Straße.

Oben werden wir ausgesetzt und fahren los, yeepy! Ja, die Straße ist schlecht, aber die Aussicht ist gigantisch.

Unterwegs treffen wir auch auf einige Tiere: 

Die Straße bleibt übel, viel Sand und feiner Schotter, das Rad fährt sich ständig fest. Die Abschnitte mit Wellblechpiste sind auch nicht besser. Recht zügig sind wir unter 3500m Höhe, das tut auch gut. Die Landschaft bleibt faszinierend:

Marion hat es bereits gesagt: die Wasseedurchfahrten sind so 'ne Sache. Die Bäche führen sehr feinen Kies mit sich, man sinkt ein und der Boden ist oftmals nich zu sehen. Das Wasser ist am Rand oft noch überfrohren und saukalt. 





Montag, 5. September 2022

Tag 14: San Antonio de los Cobes Spanischlerntag

Wir warten auf unseren morgigen Transfer auf den Abra del Acay. Ich verbringe die Wartezeit mit Spanisch lernen. Zwei Tage Urlaub im kalten San Antonio de los Cobres zu verbringen ist auch schon eine Herausfordrung. Die Stadt ist eine graue Minenstadt und es gibt bis auf den Tren de las Nubes nichts zu sehen. Unsere Hauptaufgaben heute: warm zu bleiben und Essensmöglichkeiten zu suchen. In unserer 2ten Aufgabe waren wir heute sehr erfolgreich. Zum Abendessen haben wir ein wirklich nettes Restaurant gefunden. Mit zwei Dingen kann ich mich aber nicht anfreunden: 1. alle Restaurants sind ungeheizt - ich sitze in einem für lokale Verhältnisse teuren Restaurant mit Jacke und Wollmütze - und 2. einige lokale Gäste nutzen ausgiebig und laut ihre Smartphones - das dauernde laute Gebimmel und die lautstarken Gespräche am Nachbartisch enpfinde ich als sehr störend. Andere Länder, andere Sitten.

Sonntag, 4. September 2022

Tag 13: San Antonio de los Cobres

Da wir uns heute in San Antonio de los Cobres erholen, bleibt Zeit sich mit dem Tren de los Nubes zu beschäftigen. Gestern sind wir unter dem Viaducto la Polvorilla her geradelt. Das Viaduct hat eine Höhe von 63m über der ruta40 und ist 224m lang. Es ist das höchstgelege Viaduct der Welt. Zweifellos eine großartige Ingenieurleistung. Das Viaduct steht seit etwa 100 Jahren in der Puna und trotzt Temperaturen von -25°C bis +35°C. Wir in Deutschland kriegen es nichtmal gebacken, unsere Autobahnbrücken in Schuss zu halten. 
Heute ist das Viaduct die Endstation des Tren de los Nubes, die weitere Bahnstrecke Richtung Chile ist längs stillgelegt. 
Die Bezeichnung "Tren de los Nubes" (Zug zu den Wolken) basiert wie so vieles im Leben auf einem Missverständnis. Der Zug führt nämlich nicht in die Wolken, sondern in die Höhen der Anden. Und hier, in San Antonio de los Cobres gibt es auch keine Wolken am Himmel. Oder nur sehr selten.
Der Name wurde von einem Journalisten geprägt, der im Zug geschlafen hat, dann aber auf dem Viaduct seinen Kopf aus dem Fenster gehalten hat und im weißen Rauch dem Dampflokomotive gerufen hat: wir sind ja in den Wolken! 

Tag 13: San Antonio de los Cobres Ruhetag

San Antonio de los Cobres liegt auf ca. 3770 hm und ist bekannt als Endstation für den Zug "Tren de los Nubes" (Zug zu den Wolken), welcher heute nur noch Touristen durch die spektakuläre Landschaft von Salta zum "Viaducto la Polvorilla" bringt. Das 224 lange stählerne Gerüstpfeilerviadukt überquert die Ruta Nacional 40, welche wir seit 3 Tagen folgen. Gestern sind wir in Puesto Sey auf 4000 hm gestartet und sind dann hoch auf 4460 hm um den Vulcan Tuzgle herum. Das letzte Mal ausgebrochen ist er vor 300.000 Jahren, aber es gibt Lavaströme, welche nur 12.000 Jahre alt sind und die man aufgrund der Farbunterschiede noch heute erkennen kann. (Gut zu sehen auf Falkos gestrigem Vulkanfoto). So schön die Landschaft auch ist, die Routa 40 bleibt eine Schotter- / Sandpiste für Fahrräder total ungeeignet und wir müssen weite Teile schieben. Als wir dachten, schlimmer kann es nicht mehr werden, da änderte sich die Routa 40 von einer Sandpiste in der weiten Puna zu einem Alpenwanderweg in einer gigantisch schönen Schlucht. Spektakulär schön. Aber hier möchte ich noch weniger mit dem Auto entlang fahren. Die wunderschöne Schlucht mit dem katastrophalen Weg endet am Viadukt La Polvorilla. Hier tummeln sich einige Touristen, aber die Hoffnung auf eine bessere Strasse wird nicht erfüllt: die letzten 18 km quälen wir uns weiter auf einer Sand-Rumpelpiste, die von schweren Minenfahrzeugen genutzt wird. Eines haben wir in den letzten 3 Tagen gelernt: unbefestigte argentinische Nationalstrassen unbedingt meiden! Das Problem: die nächsten 6 Fahrradtage sind weiterhin auf der unbefestigten Routa 40 geplant. Unter anderem stehen 1300 hm auf den Pass Abra del Acay auf 4995 hm an. Nach unserer gestrigen Raderfahrung sind wir realistisch: Strassenverhältnisse, Kälte und die extreme Höhe würden mich überfordern. Wir haben uns für die nächsten 45 km auf den Abra del Acay einen Transfer besorgt, der uns leider erst Dienstag früh fahren wird. Wir nutzen bis dahin die Zeit um die Restaurants alle abzuklappern. Nach 3 Tagen mit Campingessen, Keksen und Energieriegeln ist ein Stück Rind wieder eine gute Option. Und der Kartoffelbrei hier ist superlecker.

Samstag, 3. September 2022

Tag 12: Puesto Sey - San Antonio de los Cobres

Wir sind auf 4000m Höhe gestartet und haben uns dann auf 4460m Höhe vorgearbeitet. Gegen uns waren Kälte, Wind und schlechte Fahrbahn: Wellblechpiste und Sand, in das Reifen und Felge einsinken. Die Landschaft hat uns aber für alle Qualen entschädigt, ich hoffe M arion sieht das ab morgen auch so.
Hier ein Bild vom Vulkan Cerro Tuzgle, der auf der heutigen Etappe stets präsent war. Der Tuzgle ist 5486m hoch. Das sieht man ihm nicht an. Da wir beim Foto schon auf 4300m waren guckt der ja auch nur gute 1000m aus der Landschaft raus.
Spannend waren auch wieder die Wasserdurchfahrten, man weiß ja nie, wie tief das Wasser ist.
Tiere haben wir unterwegs auch gesehen: nein, das ist kein Strauß, die Tiere heißen Nandu:
Heute sind wir erschöpft in San Antonio de los Cobres angekommen und haben uns im ersten Haus der Stadt einquartiert. Wir haben ein Zimmer mit eigenem Bad! Und warmes Wasser! Die letzten Tage mussten wir für den Gang zur Toilette über den Hof. Bei Temperaturen tief im negativen Bereich. 

Tag 12: Puesto Sey - San Antonio de los Cobres

Geschafft. Wir sind nach drei schweren Tagen auf der unbefestigten Nationalstrasse 40 in San Antonio de los Cobres angekommen und genießen gerade unser warmes Hotelzimmer mit eigenem Badezimmer und Warmwasser. Wir sind total erschöpft erst nach 18.00 angekommen. Der Tag war superanstrengend. Morgen gönnen wir uns wieder einen Ruhetag und da mir jetzt schon die Augen zu fallen, werde ich morgen mehr von unserer heutigen Etappe berichten.
Gutes Nächtle!

Freitag, 2. September 2022

Tag 11: Pastos Chicos - Puesto Sey

Kurze Etappe heute. Marion hat es bereits erklärt.
Wir schlafen zum ersten Mal auf unserer Tour über 4000m Höhe und es ist unglaublich kalt hier.
Für unsere morgige Verpflegung haben wir 4 Hühnereier gekauft und heute Abend. gekocht. Womit sich die Frage stellt: wie lange kocht man auf 4000m Höhe ein Ei, damit es hard ist?
Wir sind gespannt, was uns erwartet, wenn wir das Ei morgen pellen.
Ortseingang Puesto Sey. Man kann vom Ortseingang den Ausgang sehen.

Tag 11: Pastos Chicos - Puesto Sey

Weiter auf der unasphaltierte Nationalstrasse 40. Die Strassenverhältnisse haben sich kaum geändert zu gestern, aber der Wind hat stark abgenommen und es sind nur wenige Höhenmeter zu bewältigen. Den Grossteil der heutigen 22 km konnten wir sogar fahren. Theoretisch hätten wir heute mehr Kilometer machen können, aber Puesto Sey ist das einzige Dorf mit Übernachtungsmöglichkeit auf den noch fehlenden 80 km bis San Antonio de los Cobres, und wir haben uns gegen eine Zeltnacht entschieden. Es ist einfach zu kalt. Nicht, dass es hier warm wäre. Wir werden (genau wie gestern) wieder den Schlafsack nutzen, denn hier gibt es keine Heizung. Morgen geht es sehr früh los, um die restlichen 58 km und 600 hm zu schaffen.
Nette Geschichte aus dem Dorf: theoretisch soll es hier einen kleinen Comedor geben. Wir hatten auf etwas Warmes zu Essen gehofft, auch wenn es nur wieder zaehes Rindfleisch mit Reis gewesen wäre. Beim Fragen wo dieser Comedor sei, hat uns dann eine ältere Dame in ihr Wohnzimmer gebeten und uns Spiegeleier gebraten. 

Donnerstag, 1. September 2022

Tag 10: Susques - Pastos Chicos

Unterkunft und WiFi gibt es offensichtlich in jedem noch so kleinem Ort. Pastos Chicos ist bei Google Maps kaum zu finden. Aber gleich bei der erstmöglichen Anfrage nach Übernachtung sind wir erfolgreich. Wir sind total glücklich, da wir erwartet hatten im Zelt zu übernachten. Warm wird es trotzdem nicht werden, Heizung oder andere Annehmlichkeiten gibt es nicht. Unser Gastgeber ist aber sehr bemüht, und möchte uns warmen Tee machen, er will uns auch sein Handyladekabel zu Verfügung stellen. Als er wissen wollte, ob wir noch etwas bräuchten sagte ich: Danke nein, wir sind sehr glücklich. Darauf antwortete er: Das wäre das Wichtigste im Leben: Glücklich sein!
Damit nimmt der Tag einen sehr versöhnlichen Abschluss, denn der Fahrradtag selber war eine grosse Katastrophe. Die Nationalstrasse 40 hat sich als Sandpiste herausgestellt. Das die Routa 40 unbefestigt ist wussten wir, aber dass es SOOO schlimm werden würde hatten wir nicht gedacht. Die Hälfte der heutigen Strecke mussten wir schieben, der Sand und Kies und der heftige Wind waren einfach zuviel. Laut "daswetter.com" gab es Windgeschwindigkeiten von 42 km/h mit Böen bis zu 93 km/h. Meistens hatten wir Seitenwind und die Böen haben uns fast von der Piste geweht. Aber es gab auch leider viel zu viele Abschnitte mit Gegenwind - wir konnten kaum gegen den Wind anschieben. Und bei den Abschnitten mit Rückenwind mussten wir abbremsen, da die Sand-/Geröllpiste i.d.R. keine 10 km/h Fahrgeschwindigkeit zuliess. Eine echte Katastrophe, wir konnten uns gar nicht an der tollen Landschaft erfreuen. Wir hatten auch nicht mehr geglaubt, dass wir unser heutiges Minimalziel Pastos Chicos überhaupt schaffen würden. Von 8.30 bis 16.30 haben wir uns vorangekämpft (die 20 min. Mittagspause im Stehen mit Schokolade, Chips und Kaltgetraenk waren keine wirkliche Erholung). Das die nächsten 80 km ähnlich schlimm werden, daran will ich heute nicht denken.

Tag 10: Susques - Pastos Chicos

Der heutige Tag hat alles geboten, was man auf einer Radtour so gar nicht braucht. 
Weite Teile der Straße bestehen aus Tiefsand, in den das Hinterrad schnell mal mit der kompletten Felge einsinkt. Fahren ist da unmöglich, hier ist Schieben angesagt.
Wer dieses Vergnügen nachempfinden möchte, aber die lange Anreise nach Argentinien scheut, dem rate ich Folgendes:
Fahrrad aus der Garage holen, vollen Kasten Bier auf den Gepäckträger schnallen und das Rad 5 Stunden durch einen Sandkasten schieben. Und: liebe Freunde der neusten Trendsportarten: nein, der Kasten wird während der 5 Stunden nicht geleert!
War aber nicht alles schlecht: an mehreren Stellen quert die ruta40 einen Bach. Durch so eine Furt zu fahren ist immer spannend, da man nie weiß, was einen erwartet.